Eine stabile Liebesbeziehung ist eines unser wichtigsten Grundbedürfnisse. Haus, Wohnung, Auto, Garten, dass ist nur die Hülle. Der wichtige Kern ist die Liebesbeziehung, die Partnerschaft, in der wir uns geliebt, sicher und geborgen fühlen, die uns Halt gibt. Wir wollen uns verbunden fühlen. Dieses Gefühl ist schön und beginnt mit dem Verliebt sein. Die Liebe ist das größte unter den Gefühlen und schenkt uns die das Gefühl der Verbundenheit. Kinder schreien, wenn sie diese Nähe und Verbundenheit nicht mehr fühlen. Und auch Erwachsene schreien, aber auf ihre Art und wir können diese Sprache oft nicht verstehen. Leider tut sich häufig gerade der liebste Mensch am schwersten, die Sehnsüchte zu hören und die Sprache des Partners zu verstehen. Und darum kommen Paare zur Paartherapie. Sie sagen dann, sie können nicht mehr miteinander reden oder der Partner verletzt sie durch sein Tun. Was sie aber oft meinen ist, dass sie emotional einander wieder nahe sein möchten, sich emotional erreichen möchten.
In der Paartherapie entsteht die Hoffnung, Dinge zu klären. Doch beide kommen zunächst häufig als Opfer, die den anderen beschuldigen für den Untergang der Beziehung verantwortlich zu sein. Jeder hofft, hier endlich Recht zu bekommen, Schützenhilfe zu erhalten. Erst mit der Zeit lernen die Paare, dass es nicht um Schuld geht, dass das Problem nicht alleine beim Partner zu suchen ist. Wir können ganz in Ordnung sein und tun uns trotzdem schwer, dem Partner zu begegnen oder können ihn nicht mehr verstehen.
Oft landen die Paare in einer Überforderung in ihrer Lebenssituation durch Beruf, Kinder, einen neuen Lebensabschnitt aber auch durch eigene Vorstellungen, Wünsche und Ansprüche. Die Partner spüren von allen Seiten Forderungen und der einzige Schutz scheint mit der Zeit die Kritik am anderen und der Vorwurf gegen ihn zu sein. So kann ich die Anforderungen noch am ehesten abschmettern, mich schützen. Und wir hören Bitten wie Ansprüche, Hinweise vom anderen wie Vorwürfe und Kritik. Wenn sich diese Spirale weiter dreht, dann lassen wir die vernommenen negativen Botschaften nicht mehr an uns ran. Wir schalten ab, flüchten, schweigen, ziehen uns zurück.
Paare sind ständig in der Entwicklung und das ist auch gut so. Sie stehen nicht still und einmal gefühlte Liebe wandelt sich. Es geht darum, diesen Wandel positiv zu gestalten und in der Veränderung einander immer wieder zu begegnen und uns gegenseitig zu stärken in all den Anforderungen des Alltags und des Lebens.
In der Paartherapie suchen wir wieder die weichen Gefühle, Zeichen der Zuneigung. Dann kann die Liebe wieder wachen, die Sehnsucht nach vertrauter Liebe bekommt wieder Nahrung und kann sich positiv entwickeln. Wenn diese Sehnsucht erkannt wird, benannt wird, wenn wir den Mut haben dazu zu stehen, dann kann der andere auch wieder geben. Er muss nichts zurück halten, muss sich nicht schützen, weil ja kein Vorwurf mehr kommt, kein Rückzug die Begegnung unmöglich macht, sondern Wünsche und Sehnsüchte geäußert werden. Beglückende Beziehung kann wieder entstehen.
Ich stelle ein verwegene Behauptung auf: Es gibt keine Schuldigen in der Paarbeziehung, jeder tut sein Bestes!
Sie sagen, dass stimmt auf keinen Fall, da gibt es eindeutige Geschichten: Er ist fremdgegangen, also ist er Schuld am Scheitern der Beziehung. Sie keift immer so rum, da musste er ja flüchten zu einer anderen. Er hilft nicht mit im Haushalt, alles bleibt an ihr hängen, da kann sie ja auch gleich alles alleine machen und braucht ihn nicht mehr in ihrem Leben. Und sie gibt nichts mehr auf ihr Äußeres, seit sie das Kind hat, kein Wunder, dass er sie nicht mehr für voll nimmt als Frau.
Und trotzdem behaupte ich, auch diese Menschen haben in ihrer Partnerschaft das Beste angeboten, was sie geben konnten. Sie sind verstrickt in ihre eigene Geschichte, in ihre Vergangenheit. In der Beziehung werden sie wieder eingeholt von früheren Verletzungen und was sie tun, ist das, was ihnen zur Verfügung steht an Handlungsmöglichkeiten. Mehr geht nicht, etwas anderes kennen sie nicht. Das, was sie tun hat zwar noch nie zum Erfolg geführt, aber es ist das Einzige, was sie kennen, darum tun sie es immer wieder. Die Versuche scheitern ein ums andere Mal aber es ist ihr Bestes. Sie wissen nichts anderes. Sollten sie nicht aus ihren Fehlern lernen? Wenn ihr tun doch nichts besser macht, sondern es wird nur noch schlechter, dann müssten sie doch spätestens zu diesem Zeitpunkt nach einem anderen Weg suchen. Ja, stimmt! Und dann kommt eben doch irgendwann die Frage nach der Schuld ins Spiel. Sie schauen nicht hin, was ihr Handeln für Auswirkungen auf ihre Beziehung hat und machen einfach weiter. Die Auswirkungen sind schlecht für die Liebe, sie zerstören auf die Dauer. Es gilt, die Notbremse zu ziehen und nach anderen Lösungen zu suchen. Wenn ich das nicht tue, sondern einfach immer weiter mache, ja, dann werde ich irgendwann schuldig. Am Anfang aber, gilt die Unschuldsvermutung. Und die macht das Verstehen leichter und dann auch das Verzeihen. Suchen Sie nach Alternativen zu Ihrem Handeln, Alternativen, die wirklich glücklich machen, die die Liebe nähren. Dann bleiben Sie unschuldig, auch wenn schon einiges schief gelaufen ist. Auch wenn Sie schon so machen Schmerz beim Partner verursacht haben. Schuldig wird man erst durch Ignoranz.
Manche Paare verstehen sich mit ihren Kindern, ihrem Haustier, mit der besten Freundin oder dem besten Freund oder ihren Kunden besser als mit ihrem Partner. Für sie ist mehr Verständnis da, mehr Freundlichkeit, mehr Geduld und auch mehr Freude im Umgang. Mit dem Hund macht es wirklich Spaß, Zeit zu verbringen, mit dem Partner viel weniger. Mit den Kindern kann man herzen, schmusen, nimmt sich Zeit und hat Freude am gemeinsamen Spiel, mit dem Partner ist das eine Qual, ja manchmal sogar undenkbar. Mit der Freundin kann man alles besprechen, die versteht einen. Vor dem Kunden ist es nicht schwer, freundlich zu sein, ihn zu verstehen, zu wissen, was er braucht, ihn zu beraten. Es macht Freude, sich in den Kunden hinein zu versetzt, sich Zeit zu nehmen, zu lachen und gut zuzuhören.
Und so wird es dann schwerer, die Nähe und die Beziehung zum Partner schön und glücklich zu gestalten.
Das ist nicht wirklich schlimm. Es gibt keine schlechte Nachricht dabei, nur eine Gute und die lautet: Sie können es. Was wir beim Kind, Hund, Kunden u.s.w. können, das können wir beim Partner auch. Das mag sich einfach anhören und wenn wir uns einmal klar gemacht haben, dass wir es können, dann geht es beim Partner genauso gut wie bei allen anderen. Mit ihm will ich doch mein Leben verbringen und habe das auch zugesagt (wenn ich verheiratet bin). Also werde ich mit ihm die meiste Zeit in meinem Leben verbringen, am längsten mit ihm zusammen sein. Darum steht er an erster Stelle, wenn es darum geht, eine gute Beziehung zu pflegen, nicht all die anderen. Und ich will meine Zeit schön und glücklich mit ihm verbringen. Ich will ja eine Liebe leben, Liebe geben und bekommen. Das beginnt ganz einfach mit freundlichen Worten. Die Kinder gehen irgendwann aus dem Haus (auch wenn das manchmal schwer vorstellbar ist, solange sie noch klein sind), der Kunde wechselt und der Hund ist ein Hund und ersetzt nicht die Beziehung zu einem Menschen. Mein Partner bleibt.
Also tun Sie es einfach: Behandeln Sie Ihren Partner wie die beste Freundin, den besten Freund, wie das liebste Haustier, wie den wichtigsten Kunden und ganz schnell wird daraus eine glückliche Beziehung. Vielleicht glaubt der Partner diese Wandlung nicht sofort. Geben Sie sich Zeit und bleiben Sie dran. Das Vertrauen in die neue Freundlichkeit und Aufmerksamkeit wächst mit jedem Tag. Und mit jedem Tag macht es mehr Freude, das verspreche ich Ihnen.
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Annette Unterbirker
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