Ein Interview

Was war das Schlimmste für Sie an Ihrem Burnout?

 

Das Schlimmste war, dass ich das Vertrauen in meine Leistungsfähigkeit verloren habe. Früher habe ich gewusst, was ich schaffen kann. Der Ehrgeiz hat vieles möglich gemacht und ich habe das ja auch gerne getan. Heute, 5 Jahre nach dem Burnout, bin ich mir immer noch unsicher, ob ich bestimmte Dinge tun kann, ob die Kraft reicht. Ich kann mich selbst nicht mehr einschätzen.

 

Wie ist es zu dem Burnout gekommen?

 

Ich war hoch motiviert in meinem Beruf. Ich wollte weiter kommen und hatte auch Erfolge. Das Wort Stress kannte ich nicht. Gute Rückmeldungen gaben mir Bestätigung und immer neue Kraft für das nächste Projekt. Ich dachte, ich muss es allen zeigen, dass ich es kann. Mir war nichts zu viel. Ich habe jedes neue Projekt angenommen und auch fertig bekommen. Bald wusste jeder, dass man sich auf mich verlassen kann, dass ich auch in letzter Minute noch Aufgaben erledige, die andere einfach nicht mehr schaffen. Ich nahm immer mehr Arbeit mit nach Hause oder bleib eben lange im Büro, damit ich ungestört arbeiten konnte. Das ging lange Zeit gut. Ich bekam viel Anerkennung und Lob und damit konnte ich die enorme Anstrengung gut weg stecken.

 

Wann wurde Ihr Arbeiten ungesund?

 

Mit der Zeit machte ich dann mehr Fehler, war unkonzentriert, überarbeitet musste dann noch länger arbeiten, um meine Fehler zu korrigieren, kam abends nicht mehr zur Ruhe weil mir schon vor dem nächsten vollen Tag graute, war morgens noch müde und ging schon erschöpft aus dem Haus. Es war wie eine Spirale, die sich immer schneller drehte und immer enger wurde. Ich musste noch mehr arbeiten, noch mehr Projekte stemmen und immer mehr Fehler nacharbeiten oder durch lange Korrekturen verhindern. Und die Erschöpfung nahm immer mehr zu.  Aber es gab keinen Ausweg mehr. Ich konnte keine neue Aufgabe ablehnen, das hätte ja meine Karriere beeinträchtigt. Es gab nur die eine Lösung: Immer noch mehr arbeiten, wieder konzentrierter werden, endlich wieder mehr schlafen, dann würde schon alles wieder gut werden.

 

Gab es auch Zeiten, die besser liefen?

 

Nach dem Urlaub ging es mir immer besser. Ich kam erholt und gestärkt und ausgeschlafen zurück. Aber der Zustand hielt nicht mal eine Woche. Dann war ich wieder so erschöpft wie vorher. Ich hatte die Hoffnung, dass abends ein Glas Wein Entspannung bringen könnte und ich dann besser schlafen würde. Aber es bleib schon bald nicht bei einem Glas. Der Alkohol führte zu einem Nachlassen des Stresszustands und ich genoss diese wenigen Stunden der Entspannung am Tag. Aber diese Stunden bezahlte ich mit noch weniger Schlaf und mehr Müdigkeit am folgenden Tag. Der Alkohol ließ die Schlafqualität sinken und ich wurde immer unausgeruhter. Also, Besserung gab es nicht, nur kurzzeitige Entspannung.

 

Welche Auswirkungen gab es in Ihrem Privatleben?

 

Meine Partnerin hat mir immer wieder gesagt, ich solle mich ausruhen, nicht so viel arbeiten, wieder mehr Zeit mit ihr verbringen und entspannen. Das war keine Option für mich. Ich wollte doch weiter kommen und es gab einfach so viel zu tun. Ich dachte, irgendwann wissen alle, wie gut ich bin, ich werde der Chef und dann wird es sicher ruhiger. Dann hat sie aufgegeben, mir das immer wieder zu sagen. Ich hatte kaum Zeit für sie und war im Grunde froh, wenn sie etwas ohne mich unternommen hat. Dann konnte ich in Ruhe arbeiten. Ich wollte auch sonst keine Kontakte mehr. Das war alles viel zu anstrengend. Wenn ich mal Zeit hatte, wollte ich meine Ruhe haben und vor dem Fernseher entspannen. Sie hat dann wirklich viel alleine unternommen und um ein Haar wäre unsere Beziehung gescheitert an meinem vielen Arbeiten.

 

Wie kam es zum endgültigen Burnout?

 

Eines Morgens konnte ich nicht mehr aufstehen. Ich war zu schwach, auf die Toilette zu gehen. Alles tat weh und ich wollte und konnte mich nicht mehr bewegen. Ich wollte auch nicht reden, nichts erklären, nichts essen, nichts trinken, einfach nur Ruhe haben, am liebsten sterben.

 

Wie kam es zur Besserung?

 

Meine Partnerin hat den Hausarzt verständigt. Der hat mich krankgeschrieben und zur Bedingung gemacht, dass ich mir eine Beratung suche, wenn es mir körperlich wieder besser geht. Es hat Tage gedauert, bis ich das Bett wieder verlassen konnte. Aber da endlich wusste ich, dass es so nicht weiter gehen kann. Das wollte ich nie mehr erleben. Ich habe den Eindruck gehabt, dass ich dem Tod näher war als meinem Leben. Ich wollte alles weg werfen, nur um endlich meine Ruhe zu haben. Niemand sollte mir mehr Aufgaben geben. Es sollten endlich alle schweigen, damit Stille um mich herum ist.

 

Ich habe nach einem Therapieplatz gesucht. Es gab eine Wartezeit von 8 Monaten. Die Zeit habe ich mit Coachingstunden überbrückt. Mein Arbeitgeber hat mich unterstützt. Er hat es sogar zur Bedingung gemacht und mich dann nur halbtags arbeiten lassen für die nächsten 6 Wochen. Das hat gut getan. Ich kam langsam zur Ruhe, kam zu Nachdenken und endlich auch zum Umdenken. Im Coaching habe ich gelernt, wieder auf mich zu hören, mich und meine Bedürfnisse wieder wahrzunehmen.

 

Ich hatte ja gedacht, ich müsse alle diese Dinge tun, alle Aufgaben erledigen. Ich dachte irgendwann, dass ein „Nein“ nicht möglich ist. Ich habe mir gewünscht, dass die anderen damit aufhören, mir immer neue Aufgaben zu geben. Dass ich selbst mein Pensum bestimme, das war nicht mehr möglich. Ich gab den anderen die Schuld, dass es mir schlecht ging, war wütend auf sie und konnte aber nichts ändern. Im Coaching habe ich erkannt, dass ich auf mich selbst wütend war, weil ich das alles habe mit mir machen lassen. Weil ich eben nicht „nein“ gesagt habe. Ich habe angefangen zu lernen, meine Grenzen zu erkennen und habe langsam Dinge gefunden, die mir gut tun, die mir Freude machen und bei denen ich wieder auftanken kann. Das Coaching hat mich begleitet bis ich in der Therapie war. So hatte ich immer einen Ansprechpartner, dem ich vertraute und der mir eine ehrliche Rückmeldung gab. Ich konnte mich ja selbst nicht mehr einschätzen. Ich konnte mir nicht mehr vertrauen. Im Coaching haben mich die richtigen Fragen auf den Weg gebracht und ich lernte mich neu kennen. Ich war ja nur noch eine Maschine gewesen, die am Schluss wie Schrott dalag. Nur ganz langsam und Schritt für Schritt fand ich zurück ins Leben. Und endlich wurde es mein Leben, nicht mehr das Leben, das andere für mich bestimmten. Mein Leben, dass ich nun gestalte und in dem ich bestimme, was ich kann und was nicht und was mir gut tut und was nicht.

 

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